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alles
Taking a screenshot in 1983 pic.twitter.com/tEhk5f6wOS
sauerkrautsuppe nach tim mälzer
vor ungefähr 34 jahren wohnte ich mit meiner mutter für ein paar wochen in einem hotel an der französischen atlantikküste. mittags assen wir baguettes mit käse und abends das halbpension-essen des hotels. zu essen gab’s abends was es gab, vorab eine suppe und danach einen hauptgang. die suppen bestanden durchgängig, jeden abend, aus dünner, geschmackloser plörre in verschiedenen farben. die geschmackskomponente war nicht immer eindeutig identifizierbar, an der roten farbe konnte man aber zum beispiel die tomatensuppe erkennen.
wir kamen relativ schnell auf die idee, die suppen mit dem auf dem tisch stehenden essig zu verfeinern. kräftig gesäuert waren die suppen plötzlich geniessbar.
in diesem urlaub, erzählt meine mutter immer wieder gerne, hätte ich „essen gelernt“. bis dahin mochte ich so gut wie nichts ausser käsebrot (mit ketchup), erbsen, gebratenem käse und ein paar anderen gerichten, die nicht zu viel gemüse enthielten. das hotelessen in frankreich hingegen ass ich, unbesehen der zutaten, jeden tag auf. das mag am grossen hunger gelegen haben, der tagsüber von ein paar baguette-stückchen nicht befriedigt wurde, oder an der exotik, dem reiz des neuen, fremden, was da täglich auf unsere überraschungsteller gelangte.
ich folgere daraus, dass reisen nicht nur bildet und über den tellerand blicken lehrt, sondern auch die zunge schult und neugierig macht.
daran musst eich gestern denken, als ich, nach dem frisch geschenkten „heimat“-kochbuch von tim mälzer, eine sauerkrautsuppe kochte. die einfachheit und die dominante säure der suppe erinnerten mich an die selbstgesäuerten suppen in frankreich. und das rezeopt enthält eine grandiose idee einfach fleischklösschen in eine suppe zu bringen.
tim mälzer behauptet in „[-werbelink] heimat“, dass die sauerkrautsuppe die lieblingssuppe seiner jugend gewesen sei, aber auch „heute noch der hammer“. und damit hat er recht.

- 200 gramm zwiebeln (2 mittelgrosse)
- 1 esslöffel schweineschmalz (ich hab rapsöl und ein bisschen butter genommen)
- 750 gramm sauerkraut (ich hab eine packung mit 500 gramm genommen)
- 2 esslöffel honig
- ½ teelöffel kümmelsaat (ich hab kreuzkümmel genommen, auch wenn kreuzkümmel kein echter kümmel ist)
- 1 esslöffel zucker
- 1 kleine dose pizzatomaten (ca. 400 gramm)
- 1 liter gemüsebrühe
- 400 gramm feines kalbsbratwurstbrät (wir haben rohe (schweine) bratwurst aus dem kühlregal von aldi genommen)
- ½ bund majoran
- salz und pfeffer
- crême fraiche
zwiebeln in feine streifen schneiden, im fett hell andünsten und danach das sauerkraut, den honig, den kümmel, zucker, die tomaten und die brühe zugeben. tim mälzer, bzw. sein ghostwrieter stevan paul, meint man solle die suppe jetzt ohne deckel eine stunde lang kochen. wir hatten hunger, weshalb ich die kochdauer auf die hälfte reduziert habe. das hat der suppe nicht geschadet.
5 minuten vor dem servieren habe ich dann die bratwurst direkt aus der pelle in kleinen klössen in die suppe gedrückt und vorsichtig umgerührt. die bratwurstklösschen sollen dann noch 5 minuten mitköcheln und ergeben wirklich köstliche fleischklösschen (die ein bisschen nach bratwurst schmecken).
vor dem servieren noch kräftig pfeffern. ich musste die suppe nur leicht salzen. majoran hatten wir nicht, aber dafür crême fraiche. die crême fraiche tat der suppe sehr gut.
wie gesagt, die suppe ist recht sauer, auch wenn honig und zucker das gut ausbalancieren. obwohl die suppe nicht besonders viele zutaten hat und völlig unkompliziert zu kochen ist, schmeckt sie erstaunlich komplex und würzig. die suppe machen wir jetzt eindeutig öfter.
spectre

ich fand spectre extrem scheisse. der trailer gefiel mir komischerweise. unter die kurzkritik habe ich unter anderem das hier geschrieben:
eigenartigerweise gefielen mir die craig-bonds davor ganz gut. entweder wurden bei spectre die bond-klischees überreizt oder ich hatte einfach die schnauze voll von der stumpfen art, die geschichte voranzubringen und bond jede explosion, jeden faustkampf, jeden einsturz unverletzt und ohne schrammen überleben zu lassen.
all die nervigen klischees die mit den vorherigen craig-bonds reduziert oder ironisiert oder weggelassen wurden, feierten in spectre ein wiedersehen. ich weiss jetzt auch was mich besonders störte: spectre war im prinzip ein revival der roger-moore-bond-filme aus den 80ern: hauptsache bond sieht gut/entspannt aus und fickt (aus unerfindlichen gründen) alles was in sachen BMI für ihn in frage kommt. ähnlich absurd war bisher in sachen aberwitz nur moonraker, wobei mir der „beisser“ in spectre besser gefiel, weil stoischer.
der andere witz ist, dass die spectre-story schlecht aus anderen agentenfilmen zusammengeklaut war. ein bisschen mission impossible rouge nation, ein bisschen avengers und bourne, ne prise RED, ein hauch expandables.
MI rouge nation fand ich übrigens super; mehr ironie und witz, weniger drama, weniger eitelkeit und selbstgefälligkeit, eine weniger absurd wirkende geschichte, besser dargestellte emotionen, kein spionfilm-traditionsficken.
the knick staffel 2

wie schon in der staffel eins, ist the knick eine als unterhaltsame krankenhaus-soap getarnte dokumentation des lebens um die 1900er jahre, die relativ ungeschönt den damals vorherrschenden rassismus, fremden- und frauenhass zeigt. die korruption, die ungerechtigkeit, die gesellschaftliche zwänge und grausamem pseudo-medizinische behandlungsmethoden die die serie zeigt, sind vielfach ekliger als die blutigen und explizit gezeigten chirurgischen operationen. im prinzip steht die serie in der der tradition von mad men: ein portrait der zeit als roter faden, dadrin protagonisten mit denen man sich mal mehr und mal weniger identifizieren kann. das alles ist detailverliebt ausgestattet, ganz ordentlich recherchiert und auf den ersten blick historisch recht akkurat.
mir hat die serie grossen spass gemacht, obwohl ich in der mitte der zweiten staffel mal nen hänger hatte und keinen bock mehr hatte weiterzugucken, weil die geschichten so vorhersehbar und frustrierend waren. als ich les revenants zuende gesehen hatte, gings dann wieder.
kurzkritik spectre in einem wort: dummentbehrlichsinnlosklischeehaft.

sehr, sehr tolle spätbescherung! danke @justusd!
(unten das neue tim-mälzer-buch, mal sehn ob’s ottolenghi ablösen kann)
weihnachten 2015
die weihnachtsfrequenz erhöht sich mit zunehmendem alter umgekehrt proportional. früher hat es jedenfalls länger gedauert, bis wieder weihnachten war. ansonsten verändert sich nichts.
seit 46 jahren gibt’s bei uns in der familie jedes jahr fleischfondue mit verschiedenen knoblauchhaltigen sossen.

jedes jahr nach der bescherung liest mein vater die bücher die er geschenkt bekommen hat erstmal sorgfältig quer.

was seit ein paar jahren neu ist: männermagazine aufm klo (beim schwager):

früher, also vor vielen, vielen jahren, waren in den männermagazinen retouchierte aufnahmen vom fleisch relativ junger frauen, modernere männermagazine sind jetzt gefüllt mit fotos von gewürztem rind- und schweinefleisch. fleischlust ist jetzt beef, boeuf, filet und natürlich (immer noch) lende.
in filetyp steckt auch ein filet.
in hamburg, wo wir über weihnachten waren, sind wir kaum mit bus und bahn gefahren. von meiner schwester zum hotel hätten wir mit einzeltickets etwas über 6 euro gezahlt. mit drive2go oder carnow oder wie die alle so heissen, kostete die fahrt nur unwesentlich mehr.
ganz hervorragendes weihnachtsgeschenk vom kind: caperdonich, 19 jahre alte fassabfüllung mit spritzbesteck, äh pipette zum leichten verdünnen. schmeckt auch so hochprozentig (51,2% vol.) nicht zu hart, sondern extrem aromatisch.
(ursprünglich veröffentlicht am 27.12.2015 20:33)


ganz hervorragendes weihnachtsgeschenk vom kind: caperdonich, 19 jahre alte fassabfüllung mit spritzbesteck, äh pipette zum leichten verdünnen. schmeckt auch so hochprozentig (51,2% vol.) nicht zu hart, sondern extrem aromatisch.
#hamburg
#hamburg
#hamburg
links vom 25.12.2015
54stories.de: Der gewünschte Gesprächspartner ist zur Zeit nicht erreichbar #
Als wir wieder zu Hause waren, habe ich fast geweint, als Mama uns eröffnet hat, dass wir dieses Jahr mal ohne Baum feiern würden. Wir seien doch alle schon erwachsen.
schöne, unbesinnliche weihnachtsgeschichte von ruth herzberg.
p.s.: das ist unser weihnachtsbaum dieses jahr.
zeit.de: zeitmagazin.de: Der Feind in unserem Netz #
nicht besonders weihnachtlich-besinnlich, die geschichte des stalkings der familie mierau, aber gut geschrieben und mit einem relativ frohen ende.
heise.de/tp: Atombomben auf Ost-Berlin #
markus kompa über den wahnsinn des atomaren wettrüstens, bzw. hier speziell über die bisher geheime liste von zielen der amerikanischen atombomben von 1956.
wobei das wettrüsten wohl im Nachhinein als ziemlich einseitig anzusehen ist und die sowjetunion wohl vor allem damit beschäftigt war, stärke vorzutäuschen:
Als die USA 1961 durch verbesserte Spionagesatelliten erkannten, dass die Sowjets statt über 500 gerade einmal über vier einsatzfähige Interkontinentalraketen verfügten und daher keine reale Bedrohungslage bestand, ließ das Pentagon nicht etwa von seinen Plänen ab. Vielmehr schlug der damals ranghöchste Militär Lyman Louis Lemnitzer vor, den Gegner überraschend nuklear zu vernichten, solange er noch wehrlos sei – und China gleich mit, das damals noch keine Atomwaffen besaß. Die Regierung Kennedy lehnte ab.
dazu passt übrigens die analyse von gregor schöllgen im aktuellen cicero ganz gut: Putins Poker — Warum der russische Präsisent dem Westen immer einen Schritt voraus ist (0,35€ blende-bezahllink).
digg.com: Brilliant Orangutan Builds Itself A Hammock #
oh! orang-utans können knoten binden und lösen!

frühstückssituation heute früh. nicht im bild: die dritte kanne kaffee, die ich bereits getrunken habe.
Scarfolk Council: Christmas Civil Defence. Public Information (1979)
By 1979, nuclear war was deemed an imminent threat. The previous year the government had held a referendum on whether to have one and the majority of Scarfolk residents voted in favour, largely because they liked the siren and thought it sounded funny. They also voted for the 3 minute warning to be extended to 10 minutes so that older, frailer people could get to their windows in time to see the initial flash and subsequent mushroom cloud. A festive atmosphere was expected and party poppers sold out in anticipation of the countdown and explosion.
sehr schönes, weihnachtliches motiv, gefunden bei thisisnthappiness.com.
die wikipedia sagt über scarfolk:
Scarfolk is a fictional northern English town created by writer and designer Richard Littler, who is sometimes identified as the town mayor. […]
Scarfolk, which is forever locked in the 1970s, is a satire not only of that decade but also of contemporary events. It touches on themes of totalitarianism, suburban life, occultism & religion, school & childhood, as well as social attitudes such as racism and sexism, and it frequently blurs the lines between fact and fiction, horror and comedy.






